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24.07.2017 13:30 Alter: 1 year

Orgelwettbewerb 2017 in Ludwigsburg

5. Wettbewerb für gottesdienstliches Orgelspiel des Verbandes Ev. Kirchenmusik in Württemberg e.V.


Von Freitag, 23., bis Sonntag, 25. Juni 2017, fand an der Orgel der Stadtkirche Ludwigsburg der 5. württembergische Wettbewerb für gottesdienstliches Orgelspiel statt. Ziel des Wettbewerbs war es, die Orgelmusik als einen wesentlichen Bestandteil des Gottesdienstes wieder einmal in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wettbewerb wurde von unserem Verband ausgerichtet und stand unter der Schirmherrschaft des Landesbischofs Dr. h.c. Frank Otfried July.

Dieser Wettbewerb, an dem ausschließlich nebenberufliche Organistinnen und Organisten aus dem Bereich der württembergischen Landeskirche teilnahmeberechtigt sind, ist europaweit, vielleicht sogar weltweit, einzigartig. Um die Chancengleichheit zu wahren, wurden Studierende der Kirchen- und Schulmusik sowie hauptberuflich tätige Musikerinnen und Musiker von der Teilnahme ausgeschlossen.
Nachdem wir 2014 in Nürtingen nur zehn Kandidaten hatten, waren wir gespannt, welche Resonanz die Ausschreibung haben würde. Kurz vor dem Anmeldeschluss am 1. April lagen 25 Anmeldungen vor. Die Altersspanne reichte von 12 bis 61 Jahren, auch das Spektrum der Berufe war vielfältig: unter den Kandidaten gab es neben zehn Schülerinnen und Schülern drei Studierende, einen Doktoranden, zwei Angestellte, zwei Beamte, eine Medizintechnikerin, einen Systemingenieur, einen Software-Entwickler, einen Lebensmittelkontrolleur, eine Sprecherzieherin, einen Hochschulprofessor sowie einen selbständigen Kaufmann. Dabei ist bemerkenswert, dass die Hälfte der Mitwirkenden unter 20 Jahre alt war und der Altersdurchschnitt aller Bewerber bei gerade mal 30 Jahren lag.

Um dem unterschiedlichen Können Rechnung zu tragen, gab es drei Bewertungskategorien, wobei die mittlere Kategorie ungefähr dem C-Prüfungsniveau entsprach, die erste etwas darunter, die dritte deutlich höher. Von Beginn an konnte die Jury über das enorm hohe Niveau der Wettbewerbsteilnehmer nur staunen. Schon in der Kategorie I erklangen Werke wie Präludium, Fuge und Ciacona in C von Dietrich Buxtehude, John Rutters „Toccata in Seven“ oder die Toccata G-Dur von Théodore Dubois. In der 2. Kategorie folgten Bruhns' bekanntes Präludium in g, eine Toccata von Camillo Schumann, die Choralbearbeitung „Ein feste Burg“ von Max Reger oder die „Toccata alla rumba“ von Andreas Willscher. In der 3. Kategorie schließlich konnte man anspruchsvollste Orgelkonzertliteratur hören. Allein von Bach wurden folgende Werke gespielt: Triosonate Nr. 1 in Es, Trio super „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“, Toccata in C BWV 564, Fuge in g und das Choralvorspiel zu „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“. Außerdem erklangen große Werke von
Mendelssohn Bartholdy, Reger, Widor, Dupré, Duruflé, Alain und Hakim, um nur eine Auswahl zu nennen.

Zum gottesdienstlichen Orgelspiel gehört selbstverständlich auch das sogenannte Liturgische Orgelspiel, welches das Intonieren und Begleiten der Lieder beinhaltet. Dieses wurde gleichgewichtig zum Literaturspiel bewertet. Die Kandidaten präsentierten Intonationen, Choralvorspiele und Begleitsätze, die sie zum Teil ad hoc erfinden mussten. Dabei achtete die Jury sowohl auf die Qualität des Spiels, als auch auf Tempo, Registrierung und sinnvolle Zäsuren. Auch in diesem Bereich war das technische und musikalische Können der Teilnehmenden erstaunlich hoch.

In der Jury saßen die Organistinnen im Nebenamt Brigitte Abele (Sersheim) und Sabine Hartmann (Waiblingen), Bezirkskantor Andreas Gräsle (Ditzingen) sowie KMD Hans-Eugen Ekert (Erdmannhausen) als Vertreter des Verbandsvorstands. Vertreter der Hochschulen war Jens Wollenschläger, Professor für Künstlerisches und Liturgisches Orgelspiel an der Kirchenmusikhochschule in Tübingen. Die Detailplanung und den Juryvorsitz hatte Bezirkskantor
Stefan Lust (Münsingen), der den Wettbewerb im Jahr 2005 initiiert hat. Den Jurymitgliedern sei an dieser Stelle herzlich gedankt für ihr Engagement und das konzentrierte Zuhören über zwei Tage hinweg.

Im Übrigen konnte nicht nur die Jury die Beiträge genießen: erfreulich war, dass sich neben den Freunden und Familien der Kandidaten weitere Zuhörer in der Stadtkirche einfanden, um die Wettbewerbsbeiträge mitzuverfolgen. Nach anderthalb Tagen intensiven Musizierens und Zuhörens stand das Ergebnis fest: die Jury vergab an die 25 Teilnehmer insgesamt 14 Preise! Dies war eine direkte Folge des sehr hohen Niveaus beim diesjährigen Wettbewerb.

Die hohe Wertschätzung, die der Verband den Kandidatinnen und Kandidaten entgegenbringt, kann an den zahlreichen Preisen und Gutscheinen abgelesen werden, die er ausloben konnte: Alle Kandidatinnen und Kandidaten, die keine Preisträger sind, bekamen einen Notengutschein über 50 €, die vom Strube Verlag (München) und dem Carus-Verlag (Stuttgart) gestiftet wurden. Außerdem wurde ein Gutschein für einen Seminartag des Verbandes zum Thema Orgel überreicht. Alle Preisträger bekommen die Möglichkeit, innerhalb renommierter Orgelkonzertreihen zu konzertieren. Außerdem wurde den Preisträgern ein Gutschein im Wert zwischen 150 und 400 € überreicht, den diese für eine Fortbildungsveranstaltung oder eine Reise beim Verband einlösen können. Michael Grüber von OrganPromotion (Horb) hat zusammen mit dem Verband den Hauptpreis gestiftet: eine 4-tägige Orgelreise nach Paris im Wert von 800 €. Der Verband bedankt sich herzlich bei den Sponsoren OrganPromotion (Horb), Strube Verlag (München) sowie Carus-Verlag (Stuttgart) für die großzügige Förderung des Wettbewerbs.
Das Preisträgerkonzert mit Preisverleihung fand am Sonntagabend in der Stadtkirche Ludwigsburg statt. Einprägsam war die Szene, als alle Wettbewerbsteilnehmer zur Preisverleihung vor dem Altar Aufstellung genommen hatten. Die zahlreichen Besucher in der gut besetzten Kirche feierten die
Teilnehmenden mit lang anhaltendem Beifall. Landeskirchenmusikdirektor Matthias Hanke betonte in seiner Ansprache den hohen Stellenwert des
Orgelspiels für Gottesdienst und Kirche. Er dankte den anwesenden Musikerinnen und Musikern für ihren Dienst und erinnerte zugleich an alle neben- und hauptamtlichen Organistinnen und Organisten, die Sonntag für Sonntag die Gottesdienste der Gemeinden mitverantwortlich gestalten.
Seinen Dank richtete er auch an die Verantwortlichen, die sich in der Aus- und Fortbildung der nebenamtlichen Kirchenmusiker engagieren.
Zusammen mit Pfarrer Dr. Wolfgang Baur (Kirchengemeinde Ludwigsburg), Professor Jens Wollenschläger (Kirchenmusikhochschule Tübingen) und dem Vorsitzenden des Verbandes Kirchenmusikdirektor Peter Ammer (Nagold) überreichte Matthias Hanke allen Mitwirkenden die Teilnahmeurkunden, die Festschrift zur Ludwigsburger Stadtkirchenorgel, die zahlreichen Gutscheine und eine CD.

Die Teilnehmer und Preisträger des 5. Wettbewerbs für gottesdienstliches Orgelspiel sind:
Kategorie I: Leonard Kunz, Göppingen (1. Preis und Gutschein über 250 €), Nina Linder, Niederstetten (2. Preis, 200 €), Matthias Döhler, Niederstetten (3. Preis, 150 €), Daniel Podbiel, Rutesheim (3. Preis, 150 €), Fiona Podolski, Pfalzgrafenweiler (3. Preis, 150 €), Felix Breitling
(Wildberg), Heike Burk (Stuttgart), Paula Crome (Heilbronn), Björn Fehrenbacher (Wildberg), Benedikt Heidl (Wiernsheim), Jan Lars Kremer (Leonberg).

Kategorie II: Tim Krüger, Reutlingen (1. Preis, 300 €), Michael Stemmer, Jagsthausen (2. Preis, 250 €), Jakob Reichmann, Heilbronn (3. Preis, 200 €), Stephanie Fitz (Stuttgart), Magdalene Kohnle (Enzklösterle), Albrecht Wacker (Calw-Stammheim).

Kategorie III: Ferdinand Krannich, Essingen (1. Preis mit Auszeichnung, Parisreise), Patrick Renz, Bad Liebenzell (1. Preis, 400 €), Benjamin Williams, Altdorf (1. Preis, 400 €), Hartmut Finkbeiner, Stuttgart (2. Preis, 300 €), Thomas Meyer, Marbach (2. Preis, 300 €), Martin Wessinger, Straubenhardt (3. Preis, 250 €), Paul Ehrmann (Nagold), Lea Sofie Mezger (Remseck).
Herzlichen Glückwunsch an die Preisträger und alle Mitwirkenden!

Der Wettbewerb wäre nicht möglich gewesen ohne die hervorragende Mitarbeit von Kirchengemeinderätin Isabell Klein und Bezirkskantor Fabian Wöhrle (Ludwigsburg), die den Wettbewerb mit großem Einsatz begleitet haben. An den beiden Wettbewerbstagen gab es immer wieder Dinge zu organisieren, von der Einweisung der Kandidaten, über das Registrieren bei einzelnen Kandidaten, bis zur hervorragenden Umsorgung und Verpflegung der Jury. Auch der
evangelischen Kirchengemeinde Ludwigsburg, beim Konzert vertreten durch Pfarrer Dr. Wolfgang Baur, sei herzlich gedankt, dass unser Wettbewerb an dieser wunderbaren Orgel stattfinden konnte - es waren ideale Bedingungen! Ein herzliches Dankeschön allen Beteiligten.

Fazit: Der Orgelwettbewerb hat das hervorragende Niveau der Orgelspielenden in der württembergischen Landeskirche aufgezeigt. 25 Organistinnen und Organisten haben großen Mut bewiesen, sich einer Jury zu stellen, haben durch die intensive Vorbereitung und die Teilnahme am Wettbewerb ihre persönlichen musikalischen Möglichkeiten ausgeschöpft und erweitert. Man kann sich schon jetzt auf den nächsten Wettbewerb in drei Jahren freuen.
    Stefan Lust (Münsingen), Verantwortlicher für den Orgelwettbewerb des Verbandes


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